Brief des ZOCD-Friedensbotschafters Simon Jacob an die Talkshows

Talkshows ohne Vertreter der Orientalischen Christen
Warum ignoriert ihr uns?
 

Als ehemaliger Integrationsbeauftragter der Syrisch – Orthodoxen Kirche in Deutschland und ehemaliger Vorsitzender des Zentralrates Orientalischer Christen in Deutschland e.V., kann ich nunmehr auf fast fünf Jahre ehrenamtliche Arbeit zurückblicken. Eine Zeit, in der die Welt Umbrüche gesehen hat und weiterhin sehen wird, welche unser Verständnis für die Völker im Nahen Osten verändern, aber auch neue Herausforderungen für Europa darstellen werden. Die aktuelle Flüchtlingsthematik ist nur Teil davon und wird sich in ihren Auswirkungen, mit zahlreichen negativen Verwerfungen innerhalb der Gesellschaft in Europa, sogar noch intensivieren. Das Entstehen rechter Randgruppen war bereits seit mehreren Jahren ersichtlich und wird an Dynamik hinzugewinnen, wenn wir dem nichts entgegensteuern.

Innerhalb dieser Jahre traf ich Politiker in Deutschland, nahm an unzähligen Konferenzen teil, hielt Vorträge, schrieb Artikel dazu und begleitete Journalisten in den Nahen Osten, so z.B. für die ARD, um sich ein Bild über die Lage vor Ort zu verschaffen.

Die aktuelle Dokumentation im ZDF – Format ZOOM ist nur ein Beispiel von vielen.

Ich war vor Ort, mitten im Krieg, mitten im Elend, innerhalb dieser Tragödie, die 100 Jahre nach dem ersten Weltkrieg kommen zu sehen war. Mit all ihren tragischen Folgen für die Völker dieser Region. Trotz warnender Stimmen und Appelle an die westliche Politik – so erinnere ich mich, dass einmal ein deutscher Außenminister vor Jahren sagte, dass das syrische Regime in drei Monaten Geschichte sei – schätzt der Westen die Lage immer wieder, auch religiös und kulturell bedingt, falsch ein. Letztendlich führte auch genau diese Politik, welche die Unentschlossenheit und Schwächen der Völkergemeinschaft an den Tag legte, genau zu der Flüchtlingssituation, die wir nun zu bewältigen haben.

Liebe Vertreter der Talkshows, ob sie nun Maischberger heißen, Anne Will, Günther Jauch oder Hart aber fair usw., wir fungieren als Brückenbauer um in renommierten Zeitungen wie die Zeit, die Welt…. zu erscheinen. Treffen hochrangige Politiker wie den Bundespräsidenten oder riskieren oft die körperliche Unversehrtheit, um Aufklärung in den Krisenregionen zu betreiben.

Als Deutsch – Orientalische Staatsbürger, die einen christlichen Hintergrund haben und mit über 200.000 Bürgern in diesem Land vertreten sind, ist es uns durchaus bewusst, dass die Krisen dieser Welt viele Minderheiten betreffen. Doch so traurig es klingen mag, es sind im Besonderen die Christen des Orients, neben den Jeziden, welche unter dem Terror der Extremisten zu leiden haben. Ob es nun der sogenannte „Islamische Staat“ in Syrien und im Irak ist oder „Boko Haram“ in Nigeria. Sie alle machen Jagd auf Minderheiten, Liberale, Andersgläubige und eben Christen.

In manchen Teilen der Welt stehen wir nicht nur vor der religiösen, sondern auch vor der kulturellen Auslöschung.

Umso mehr wundern wir uns darüber, dass bisher kein einziger Vertreter der orientalischen Christen in Deutschland die Möglichkeit bekam, in einer Talkshow präsent zu sein. Gerade weil wir die Brückenbauer des Nahen Ostens waren und immer noch sind, sollten wir ebenfalls – wie andere Gruppierungen auch – Beachtung finden.

Unsere Kultur, unser Wissen, unsere Traditionen und unsere Religion, dessen Erbe auch Europa geprägt hat, stehen kurz vor der totalen Vernichtung.

Über eine offizielle Einladung zu einer Gesprächsrunde würden wir uns sehr freuen.

Simon Jacob
Friedensbotschafter des Zentralrates Orientalischer Christen in Deutschland
 
München, den 25.09.2015

 

Brief