Pressemitteilung – Enteignungen in der Türkei

Türkei – Enteignung christlicher Güter in der Türkei

SÜDOSTANATOLIEN/TÜRKEI, 27 Juni 2017

Aufgrund der Urbanisierung der Provinz Mardin, gelegen im südöstlichen Teil der Türkei, hat die gleichnamige Provinzhauptstadt nun mehr Gewichtung erlangt. In diesem Zuge hat das kommunale Katasteramt scheinbar damit begonnen, es ist davon auszugehen dass die Regierung in Ankara dies zumindest billigt, christliche Güter wie zum Beispiel verlassene Friedhöfe oder Kirchen, zu enteignen.

Im Wesentlichen sind Grundstücke und Gebäude betroffen, die eigentlich der Syrisch – Orthodoxen Kirche gehören, für die allerdings bis zum aktuellen Zeitpunkt, so von offizieller Seite, sich kein Eigentümer hat finden lassen. Der Zeitpunkt der Enteignung ist, gerade in Anbetracht zahlreicher Konflikte, im Besonderen sind hier die Entwicklungen im Irak und auch in Syrien zu nennen, für die betroffenen Kirchen äußerst unvorteilhaft. Rechtliche Schritte einzuleiten – 10 Jahre lang darf nach türkischem Gesetzt die Enteignung angefochten werden – kann, auch wegen den inneren Spannungen mit kurdischen Fraktionen in der Region, als schwierig wenn nicht sogar unmöglich erachtet werden. So fragte kürzlich einer der wenigen christlichen Parlamentarier der Türkei, Erol Dora, ob sichergestellt werden kann, dass die Enteignungen rückgängig gemacht werden, sofern berechtigter Einspruch erhoben wird.
Ein begründeter Einwand, da in der Vergangenheit frühere Eigentümer wie die der Syrisch-Orthodoxen Kirche oder die Rum-Orthodoxen Kirche trotz zahlreicher Beweise für die Existenz rechtlich bindender Dokumente und Aussagen, nicht als solche anerkannt wurden. Kostenintensive Gerichtsverfahren mussten angestoßen werden, die sich nicht jede Gemeinde leisten konnte und auch in Zukunft nicht leisten kann.

Es ist leider zu befürchten, so die Sorge zahlreicher Mitglieder verschiedenster Kirchen, die ihre Wurzeln in der Region haben, dass die beschlagnahmten Güter in Museen umgewandelt werden oder anderweitig einen Nutzen finden.
Die Mitglieder der facettenreichen christlichen Konfessionen, wie die indigenen Suryoye (Aramäer/Assyrer/Chaldäer), Pontos-Griechen oder auch Armenier, betrachten die nun anstehende Enteignungswelle – zuvor gab es bereits weitere – mit allergrößter Sorge.

Sowohl die Föderation der Suryoye Deutschland e.V. – HSA, der Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland e.V. – ZOCD als auch der Zentralrat zur Förderung und Schutz der Kultur der Rum-Orthodoxen Christen von Antiochien e.V. – ZeROCHA, haben ihre Bedenken bezüglich des aktuellen Vorgehens der Regierung in Ankara und weisen darauf hin, dass bereits in der Vergangenheit ähnliche Entwicklungen zum Verlust kulturellen und religiösen Wissens geführt haben.

Weiterhin steht zu befürchten, dass die zum jetzigen Zeitpunkt erfolgten Enteignungen als Signalwirkung, im negativen Sinn, für die verbliebenen christlichen Völker, beispielsweise der Suryoye (Aramäer/Assyrer/Chaldäer), Griechen, Armenier usw. zu verstehen sind.

Gemeinsam fordern wir Politiker und Medien in Europa und in der Türkei dazu auf, sich sachlich und objektiv mit der Rechtslage zu befassen, die augenscheinlich dazu benutzt wird, um Teile der in der Türkei lebenden Bevölkerung zu diskriminieren.

1. Mike Malke, Vorsitzender ZOCD – Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland
2. Saliba Joseph, Vorsitzender HSA – Suryoye Föderation Deutschland
3. Dr. Adnan Sert, Vorsitzender – ZeROCHA – Zentralrat zur Förderung und Schutz der Kultur der Rum-Orthodoxen Christen von Antiochien e.V.

Simon Jacob – Redaktion ZOCD

Augsburg, den 27. Juni 2017

Stellvertretend für die Annahme von Anfragen, welche entsprechend an die jeweiligen Adressaten weitergereicht werden, ist, befristet, die Redaktion des ZOCD zuständig.

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