Kongress „Sexuelle Gewalt ist eine Kriegswaffe“

„Vergewaltigung ist eine Kriegswaffe – Schweigen beenden, Überlebende stark machen“

Am 29. Juni 2017 fand zum Thema „Sexuelle Gewalt ist ein Kriegsmittel“ die erste Hawar.help Frauenkonferenz im Deutschen Bundestag statt. Veranstaltet wurde die Konferenz in Kooperation mit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel waren auch Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller, Karin Maag und Fraktionschef Volker Kauder anwesend. Unter dem Titel „Vergewaltigung ist eine Kriegswaffe- Schweigen beenden, Überlebende stark machen“ berichteten IS – Überlebende wie Salwa Rasho von ihren Erlebnissen. Sie schilderten die während ihrer Gefangenschaft an Frauen verübten Gräueltaten; nicht nur Vergewaltigungen waren sie ausgesetzt, sondern sie wurden auch verkauft und letztendlich auch zwangsverheiratet. Zu den aufmerksamen Zuhörern gehörten auch Pramila Patten, die UN-Sonderbeauftragte für sexuelle Gewalt in Konflikten, die Holocaustüberlebende Ruth Barnett, Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger, die Autorin Freya Klier, Diplom-Psychologe Jan İlhan Kızılhan und Bertram Schmitt, Richter am internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Ebenso Nusreta Sivac, ehemalige Richterin aus Bosnien, der es zu verdanken ist, dass Vergewaltigungen von dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal als Kriegsverbrechen verurteilt werden.

Das primäre Ziel des Kongresses bestand darin, den Opfern eine Stimme zu verleihen und gleichzeitig aufzuzeigen, dass es sich hierbei um ein globales Thema handelt von dem Frauen, gleichgültig welcher Nation oder Religion sie angehören, betroffen sind. Des Weiteren haben Menschen, wie die Holocaustüberlebende Ruth Barnett, die Bedeutsamkeit über Erlebtes zu reden vor Augen geführt, denn Schweigen kann dazu führen, dass man jahrelang Traumata mit sich herumträgt und diese schließlich an die nächste Generation überträgt. Zudem wurde die Politik ermahnt, sie solle die Menschenrechte über die eigenen Interessen stellen und sich um die Opfer der sexuellen Gewalt kümmern – und das auch nach dem Krieg. Mit dem Satz „The war is not over when it’s over“ machte Dr. Pramila Patten auf das psychische Trauma der Frauen nach dem Krieg aufmerksam. Sie benötigten dringende psychologische Betreuung und medizinische Hilfe, fuhr sie fort. Zudem wurde an mehreren Stellen von verschiedenen Vertretern die Emanzipation von Frau und Mann gefordert. Die Frau, so wurde betont, sei der Schlüssel zum Frieden und erst wenn die Rechte der Frau gestärkt werden würden, könne es in den Konfliktregionen Frieden geben. Diesbezüglich forderte der Entwicklungsminister Gerd Müller eine Änderung der Rollenbilder und der damit einhergehenden Stellung des Mannes.
Besonderes Augenmerk wurde jedoch auf die Richtigstellung gelegt, dass Vergewaltigung nicht nur Kriegswaffe, sondern Kriegsverbrechen ist und als solches geahndet werden muss.

Der Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland e.V , der sich als Stimme der verfolgten Christen, zu denen selbstverständlich auch Frauen gehören, versteht, war durch Silvia Ninos und Ninve Ermagan ebenfalls unter den Zuhörern. Sein Dank gilt besonders den Frauen, die an diesem Tag ihr Schweigen gebrochen haben und es gewagt haben, von ihren grausamen Erlebnissen zu erzählen, damit diese Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten und politische Konsequenzen gezogen werden können

Ninve Ermagan
Redaktion